Donnerstag, 05 März 2015 15:43

(23.08) Giraffen

Giraffe

Giraffa camelopardalis

Tierart-Datenblatt

Das Säugetiergutachtens 2014 des BMEL fordert für vier Giraffen Einzelboxen von 30 m² pro Tier un d einen gemeinsamen Innenlaufbereich von 200 m². Können die Einzelboxen miteinander verbunden werden, kann deren Fläche auf den Innenlaufbereich angerechnet werden. Gegenwärtig ergibt  sich aus der Kombination von Einzelboxen und Gemeinschaftsstall nur bei wenigen Giraffenhaltungen in Deutschland eine Innenlauffläche von 200 m². Es sind jedoch als Folge der aktuell angebotenen Flächen keine tierschutzrelevanten Sachverhalte bekannt. Die im vorliegenden Gutachten vorgegebenen Flächen entbehren somit nicht nur einer Grundlage, sondern liegen auch noch deutlich über den „Best Practice“-Leitlinien der EAZA (2006), die für 4 Giraffen einen Gemeinschaftsstall von 64-100 m² sowie drei Absperrboxen von 16-25 m² empfehlen.

Nicht berücksichtigt wurde ferner im ersten Absatz, dass nicht nur durch einen Innenlaufbereich, sondern auch durch eine gedeckte Außenveranda ein für die Tiere bei Schnee- oder Eisglätte nutzbarer Laufbereich geschaffen werden kann, was in verschiedenen VdZ-Zoos der Fall ist und worauf im dritten Absatz hingewiesen wird. Die räumlichen Vorgaben des Gutachtens sind deshalb als unbegründet abzulehnen, dagegen ist eine Angleichung der Gehegeabmessungen an jene der Schweizerischen Tierschutzverordnung (Stand 2013) vertretbar: (allenfalls verbindbare) Einzelboxen mit Sichtkontakt 25 m² pro Tier, zusätzlich Innenlaufbereich oder gedeckte Veranda von 80 m² pro Gruppe.

Die minimal erforderliche Fläche des Außengeheges nach Gutachen '96 war 500 m² für sechs Tiere. Im Gutachten 2014 sind es 1000 m² für vier Tiere. Der Grund dafür ist schleierhaft. Nicht nur sind keine tierschutzrelevanten Sachverhalte bekannt, die sich unter den Bedingungen nach Gutachten '96 ergeben hätten, sondern neue Unterschungen zeigen, dass Laufaktivitäten nur einen kleinen Teil des Tagespensums ausmachen: bei sechs Giraffen in der ZOOM-Erlebniswelt Gelsenkirchen wurde festgestwellt, dass sich die Tagesaktivität bei artgemäßer Fütterung (hoher Laubanteil) zu 48% aus Fressen, zu 24% aus Wiederkäuen, zu 9 % aus dem Beobachten der Umgebung und zu 6% aus sozialen interaktionen zusammensetzt. Hinzu kommen Laufaktivitäten, die aber nur 10 % des Zeitbudgets ausmachten. Laufstereotypien ("Pacing") wurden nur abends bei drei Tieren beobachtet, wenn die Giraffen darauf warteten, in den Stall gelassen zu werden (SCHÜSSLER et al., 2015).

Quellen:

  • EAZA Giraffe EEPs (2006) EAZA Husbandry and Management Guidelines for Giraffa camelopardalis. Burgers’ Zoo, Arnhem
  • SCHÜSSLER, D., GÜRTLER, W.-D. & GREVEN, A. (2015): Aktivitätsbudgets von Rothschildgiraffen (Giraffa camelopardalis rothschildi  Lydekker, 1903) in der „Zoom Erlebniswelt Gelsenkirchen“
  • Schweizerische Tierschutzverordnung (2008), Stand am 24.07.2015 
  • Tierhaltererfahrung in VdZ-Zoos

05.03.2015


Okapi

Okapia johnstoni

Tierart-Datenblatt

Das Gutachten’96 sah für ein einzelnes Okapi ein Außengehege von 250 m² vor, in dem zeitweilig auch eine Paarhaltung möglich sein soll, ferner ein Innengehege von 10 m² pro Tier. Das Säugetiergutachtens 2014 des BMEL fordert für bis zu zwei Tiere ein Außengehege von mindestens 500 m² und für jedes weitere Tier 25 % der Fläche (also 125 m²) zusätzlich. Innen sind den Tieren Boxen von 15 m² pro Tier bereitzustellen sowie ein ge-meinsamer Innenlaufbereich von 50 m².

Da Okapis solitär lebende Tiere sind, sollte das Außengehege auf ein einzelnes Tier bezogen werden. Das Gehege um jeweils 25% zu vergrößern, um weitere Tiere unterzubringen, ist bei solitären Tieren Unfug. Für weitere Tiere sind grundsätzlich weitere Gehege vorzusehen. Ferner verfügt  keine einzige Okapihaltung in Deutschland über einen Innenlaufbereich von 50 m². Es sind jedoch als Folge der aktuell angebotenen Flächen keine tierschutzrelevanten Sachverhalte bekannt. Die im vorliegenden Gutachten vorgegebenen Flächen sind also weder wissenschaftlich begründet noch entsprechen sie tiergärtnerischer Erfahrung und daher abzulehnen.

Eine Angleichung der Gehegeabmessungen an jene der Schweizerischen Tierschutzverordnung (Stand 2015) wäre dagegen vertretbar:

  • Außengehege 300 m², Haltung in der Regel einzeln bzw. Mutter mit Nachzucht, ferner zeitweilige Paarhaltung möglich.
  • Innen Einzelboxen von 15 m² pro Tier.

Quellen:

  • GIJZEN, A. (1959) Das Okapi. Die Neue Brehm-Bücherei Nr. 231. A. Ziemsen Verlag, Wittenberg Lutherstadt.  
  • Schweizerische Tierschutzverordnung (2008) Stand am 24.05.2015 
  • Tierhaltererfahrung in VdZ-Zoos

05.03.2015

Gelesen 697 mal Letzte Änderung am Freitag, 24 Juli 2015 16:10

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