Donnerstag, 05 März 2015 14:52

(23.01a) Schweine

Wildschwein (Sus crofa) TierpflegerkontaktWildschwein

Sus scrofa

Tierart-Datenblatt

Das Säugetiergutachtens 2014 des BMEL gibt vor, dass Eurasischen Wildschweine bei extensiver Haltung aus Gruppen von mindestens 1 Eber und 4 Bachen bestehen sollen. Der gleiche Text war auch in den Leitlinien für eine tierschutzgerechte Haltung von Wild in Gehegen enthalten, allerdings als Empfehlung. Es ist aber unsinnig, eine solche Empfehlung als Mindestanforderung zu übernehmen, da dasselbe Gutachten im Zoogehege die paarweise Haltung zulässt und es auch keinen Grund gibt, die extensive Haltung nicht-züchtender Gruppen nicht zuzulassen. Im Weiteren besagt das Gutachten, dass Wildschweingehege grundsätzlich nur in Abwesenheit der Tiere zu betreten sind. Dies ist für extensive Haltungen praxisfremd, denn von Schleswig-Holstein bis Südbaden ist es gängige Praxis, dass Wildschweingehege von den Tierpflegern in Anwesenheit der Tiere betreten werden und in verschiedenen Wildparks gibt es sogar für die Besucher begehbare Wildschweinanlagen, und ist auch in Zoohaltungen nicht immer erforderlich. Außerdem handelt es sich nicht um eine tierschutzrelevante Anforderung.

Quellen:

  • Leitlinien für eine tierschutzgerechte Haltung von Wild in Gehegen vom 27. Mai 1995. BML, Bonn.
  • Gesunder Menschenverstand und Praxiserfahrung

05.03.2015


Bartschwein

Sus barbatus

Tierart-Datenblatt

Das Säugetiergutachtens 2014 des BMEL gibt vor, dass für zwei Bartschweine ein Innengehege von 4 m² vorhanden sein muss. Im Innengehege seien auch für mehrere Tiere gleichzeitig nutzbare Wasser- und Schlammbecken bereitzustellen. Wie man auf 4 m² einen Landteil, ein Wasser und ein Schlammbecken für zwei bis zu 150 kg schwere Bartschweine unterbringt, entzieht sich der Vorstellungskraft eines jeden Zoobetreibers und steht in Widerspruch zur zwei Sätze vorher formulierten Anforderung, dass die Innengehege trocken sein müssen. Zudem wäre ein mit Wasser- und Schlammbecken ausgestatteter Innenstall für Frischlinge lebensgefährlich. Eine derartige Ausstattung der Innengehege sie drängt sich nur dann auf, wenn über längere Zeit kein Zugang zum Außengehege besteht. In diesem Fall müsste das Innengehege aber auch eine größere Fläche aufweisen. Als Alternative bietet sich an, die Tiere regelmäßig mit lauwarmem Wasser zu duschen.

Eine Stalltemperatur von 10-15°C ist für erwachsene Bartschweine ausreichend. Diese entwickeln ein Winterfell, das besonders dicht ist, wenn die Tiere auch im Winter nach Belieben ins Außengehege können.

Quellen:

05.03.2015


Visayas-Pustelschwein

Sus cebifrons

Tierart-Datenblatt

Das Säugetiergutachten 2014 des BMEL gibt vor, dass für zwei Visayas-Pustelschweine ein Innengehege von 4 m² vorhanden sein muss. Im Innengehege seien auch für mehrere Tiere gleichzeitig nutzbare Wasser- und Schlammbecken bereitzustellen. Wie man auf 4 m² einen Landteil, ein Wasser und ein Schlammbecken für zwei bis 70 kg schwere Visayas-Pustelschweine unterbringt, entzieht sich der Vorstellungskraft eines jeden Zoobetreibers und steht in Widerspruch zur zwei Sätze vorher formulierten Anforderung, dass die Innengehege trocken sein müssen. Zudem wäre ein mit Wasser- und Schlammbecken ausgestatteter Innenstall für Frischlinge lebensgefährlich. Eine derartige Ausstattung der Innengehege drängt sich nur dann auf, wenn über längere Zeit kein Zugang zum Außengehege besteht. In diesem Fall müsste das Innengehege aber auch eine größere Fläche aufweisen. Als Alternative bietet sich an, die Tiere regelmäßig mit lauwarmem Wasser zu duschen.

Quellen:

05.03.2015


Sulawesi-Hirscheber

Babyrousa celebensis

Tierart-Datenblatt

Das Säugetiergutachten 2014 des BMEL gibt vor, dass für zwei Hirscheber ein Innengehege von 4 m² vorhanden sein muss. Dies entspricht der Angabe in den Husbandry Guidelines der AZA für zwei nicht-züchtende Tiere. Für die Zucht werden dort zwei Boxen bzw. eine größere Box empfohlen. Im Innengehege seien nach Gutachten auch für mehrere Tiere gleichzeitig nutzbare Wasser- und Schlammbecken bereitzustellen. Wie man auf 4 m² einen Landteil, ein Wasser und ein Schlammbecken für zwei bis zu 100 kg schwere Hirscheber unterbringt, entzieht sich der Vorstellungskraft eines jeden Zoobetreibers und steht in Widerspruch zur zwei Sätze vorher formulierten Anforderung, dass die Innengehege trocken sein müssen. Zudem wäre ein mit Wasser- und Schlammbecken ausgestatteter Innenstall für Frischlinge lebensgefährlich. Eine derartige Ausstattung der Innengehege ist denn auch in den auch von der EAZA verwendeten Haltungs-Leitlinien des AZA-Species Survival Plans nicht vorgesehen, sie drängt sich nur dann auf, wenn über längere Zeit kein Zugang zum Außengehege besteht. In diesem Fall müsste das Innengehege aber auch eine größere Fläche aufweisen. Als Alternative bietet sich an, die Tiere regelmäßig mit lauwarmem Wasser zu duschen.

Quellen:

05.03.2015


Warzenschwein

Phacochoerus africanus

Tierart-Datenblatt

Das Säugetiergutachten 2014 des BMEL gibt vor, dass für zwei Warzenschweine ein Innengehege von 4 m² vorhanden sein muss. Im Innengehege seien auch für mehrere Tiere gleichzeitig nutzbare Wasser- und Schlammbecken bereitzustellen. Wie man auf 4 m² einen Landteil, ein Wasser und ein Schlammbecken für zwei 50-150 kg schwere Warzenschweine unterbringt, entzieht sich der Vorstellungskraft eines jeden Zoobetreibers und steht in Widerspruch zur zwei Sätze vorher formulierten Anforderung, dass die Innengehege trocken sein müssen. Zudem wäre ein mit Wasser- und Schlammbecken ausgestatteter Innenstall für Frischlinge lebensgefährlich. Eine derartige Ausstattung der Innengehege drängt sich nur dann auf, wenn über längere Zeit kein Zugang zum Außengehege besteht. In diesem Fall müsste das Innengehege aber auch eine größere Fläche aufweisen. Als Alternative bietet sich an, die Tiere regelmäßig mit lauwarmem Wasser zu duschen.

Ferner fordert das Gutachten für Warzenschweine im Außengehege „Halbhöhlen“. Solche Halbhöhlen werden von Warzenschweinen im Freiland nur zur Feindvermeidung und – nebst Erdferkelhöhlen - nachts zum Schlafen aufgesucht. Da im Zoo keine Fressfeinde im Gehege zu erwarten sind und die Tiere nachts Ställe zur Verfügung haben, ist diese Anforderung obsolet.

Quellen:

05.03.2015


Pinselohrschwein

Potamochoerus porcus

Tierart-Datenblatt

Das Säugetiergutachten 2014 des BMEL gibt vor, dass für zwei Pinselohrschweine ein Innengehege von 4 m² vorhanden sein muss. Im Innengehege seien auch für mehrere Tiere gleichzeitig nutzbare Wasser- und Schlammbecken bereitzustellen. Wie man auf 4 m² einen Landteil, ein Wasser und ein Schlammbecken für zwei 50-120 kg schwere Pinselohrschweine unterbringt, entzieht sich der Vorstellungskraft eines jeden Zoobetreibers und steht in Widerspruch zur zwei Sätze vorher formulierten Anforderung, dass die Innengehege trocken sein müssen. Zudem wäre ein mit Wasser- und Schlammbecken ausgestatteter Innenstall für Frischlinge lebensgefährlich. Eine derartige Ausstattung der Innengehege drängt sich nur dann auf, wenn über längere Zeit kein Zugang zum Außengehege besteht. In diesem Fall müsste das Innengehege aber auch eine größere Fläche aufweisen. Als Alternative bietet sich an, die Tiere regelmäßig mit lauwarmem Wasser zu duschen. Darüber, wie häufig Pinselohrschweine im Außengehege baden, gehen die Angaben Pinselohrschweine haltender Zoos auseinander. Pinselohrschweine haben in der Regel während des ganzen Jahres Auslauf im Freien. Aus diesem Grund ist auch die geforderte Mindesttemperatur von 18°C nicht angebracht. Die Erfahrung in mehreren Zoos zeigt, dass, wenn keine kleinen Jungtiere da sind oder keine Geburten erwartet werden, eine mittlere Raumlufttemperatur von 14-15°C zweckmäßiger ist, wenn Auslauf gewährt wird bzw. die Tiere die freie Wahl haben, denn zu große Temperaturdifferenzen zwischen Innen- und Außengehege sind riskant.

Quellen:

05.03.2015

 


 

Gelesen 763 mal Letzte Änderung am Mittwoch, 11 März 2015 01:18

Recently Approved