Samstag, 21 Februar 2015 18:57

(14.16) Paviane

Drill

Papio leucophaeus

Art-Datenblatt

Im Säugetiergutachten 2014 des BMEL wird behauptet, dass für die Haltung von Drills Einmännchen-/ Viel-weibchengruppen erforderlich seien und daher heranwachsende Männchen rechtzeitig aus der Gruppe ent-fernt werden müssten. Tatsächlich leben Drills im Freiland aber in sehr großen Mehr-Männer-mehr–Weibchen-Gruppen. Im Zoo ist die Haltung von Gruppen mit mehreren erwachsenen Tieren beider Geschlechter möglich und wird erfolgreich praktiziert. Da Drills überwiegend frugivore Regenwaldbewohner sind, die sich von am Boden liegende Früchte, ferner jungen Blättern, Wurzeln, Insekten, Achatschnecken, Krustentieren, kleinen Wirbeltiere und Eiern von Wasserschildkrötenist ernähren, ist eine Fütterung mit Gras, Heu und Heupellets, wie sie das Gutachten vorgibt, nicht artgemäß.

Quellen:

  • KREBS, E. (2008) Primatenhaltung im Zoo. 390 Seiten, zahl. Tabellen und Diagramme. Filander Verlag GmbH, Erlangen. ISBN 978-3-930831-69-2.

22.02.2015


 Mandrill

Mandrillus sphinx

Art-Datenblatt

Im Säugetiergutachten 2014 des BMEL wird behauptet, dass für die Haltung von Mandrills Einmännchen-/ Vielweibchengruppen erforderlich seien und daher heranwachsende Männchen rechtzeitig aus der Gruppe entfernt werden müssten. Tatsächlich leben Mandrills im Freiland aber in sehr großen Mehr-Männer-mehr–Weibchen-Gruppen. Im Zoo ist die Haltung von Gruppen mit mehreren erwachsenen Tieren beider Geschlechter möglich und wird erfolgreich praktiziert. Da Mandrills überwiegend frugivore Regenwaldbewohner sind, ist eine Fütterung mit Gras, Heu und Heupellets, wie sie das Gutachten vorgibt, nicht artgemäß. Eine der wenigen Studien an freilebenden Mandrills zeigt, dass in Monaten mit hoher Fruchtreife der Fruchtanteil an der Nahrung fast 90 % ausmacht. Der Rest besteht zu etwa gleichen Teilen aus Blättern und tierischem Protein. In Monaten mit geringer fruchtreife macht der Fruchtanteil immer noch mindestens 70 % aus.  Bei geringer Verfügbarkeit von Früchten werden vermehrt Samen, Blätter, Gräser, Baumrinde, Wurzeln und tierisches Eiweiß, wie Amphibien, Jungvögel, Vogeleier konsumiert. Es gibt auch einen Bericht über gemeinsame Jagd einer Mandrillgruppe auf einen Schwarzrückenducker (KREBS, 2008).

Quellen:

  • KREBS, E. (2008) Primatenhaltung im Zoo. 390 Seiten, zahl. Tabellen und Diagramme. Filander Verlag GmbH, Erlangen. ISBN 978-3-930831-69-2.

22.03.2015


Guineapavian

Papio papio

Art-Datenblatt

Im Säugetiergutachten 2014 des BMEL wird gesagt, dass bei Pavianen individuelle Konkurrenz und Gruppenag-gression gegen einzelne Tiere oder andere Gruppen an der Tagesordnung ist und eine ständige Gefahr darstellt, der nur durch regelmäßiges Beobachten aller Sozialbeziehungen zu begegnen ist. Es wird behauptet, die Haltung von Junggesellengruppen sei nur bedingt möglich. Guineapaviane lebten wie Mantelpaviane in Einmänn-chen-Vielweibchen-Gruppen, die sich unter bestimmten Bedingungen (z. B. bei Gefahr) zu größeren Gruppen („geschachtelte Gesellschaften“) zusammenschließen können.

Dies steht in Gegensatz zu den Aussagen von KREBS (2008), wonach der Guineapavian Gesellschaften bildet , die aus zahlreichen Männchen und Weibchen bestehen, die bei reichlichem Futterangebot bis zu 500 Individu-en umfassen können und innerhalb derer es, im Gegensatz zum Mantelpavian, keine eigentlichen Harems gibt. Das einzelne Männchen bildet mit einem paarungsbereiten Weibchen innerhalb einer Vielmännchen-Vielweibchen-Gruppe ein temporäres Paar (Consort-Beziehung), d.h. es monopolisiert das Weibchen und versucht zu verhindern, dass dieses sich mit anderen Männern paart (KREBS, 2008).

Das Säugetiergutachten steht auch in Widerspruch zu den im Rahmen einer Feldstudie in Senegal gewonnenen Erkenntnissen von PATZELT et al. (2014), wonach die soziale Organisation der Guineapaviane aus drei Ebenen besteht. Die kleinste und gleichzeitig zentrale Einheit der Gesellschaft bilden sogenannte "Parties", die drei bis vier Männchen sowie ihre jeweils ein bis fünf assoziierten Weibchen und deren Jungtiere umfasst. Innerhalb der Parties kommt es zu den engsten sozialen Bindungen zwischen Männchen, wobei diese enge kooperative Verbindungen sowohl mit verwandten als auch nicht-verwandten Artgenossen eingehen. Die nächst höhere Ebene ist die "Gang", die aus zwei bis drei Parties besteht. Auch innerhalb der Gang konnten soziale Interaktionen zwischen den männlichen Tieren beobachtet werden. Die dritte Ebene umfasst alle Tiere, die sich ein Streifgebiet teilen und wird als "Community" bezeichnet. Allgemein zeigen die männlichen Guineapaviane sehr viel weniger rivalisierendes Verhalten untereinander sowie weniger Aggression gegenüber Weibchen als beispielsweise Bärenpaviane. Dementsprechend sind auch äußere Merkmale, die mit intrasexueller Konkurrenz in Verbindung gebracht werden, wie beispielsweise die Größe der Eckzähne oder der Hoden, bei Guineapavian-männchen im Vergleich zu anderen Arten reduziert (PATZELT et al., 2014).

Haltungserfahrung in einem VdZ-Zoo deuted darauf hin, dass bei Guineapavianen nicht die Raummaße limitierend für das Wohlergehen einer Gruppe sind, sondern die Absolutgröße einer einzelnen Gruppe in einem Gehege, das die Ausbildung von zwei unabhängigen "Parties" nicht ermöglicht.

Quellen:

23.02.2015


Dschelada

Theropithecus gelada

Art-Datenblatt

Im Säugetiergutachten 2014 des BMEL wird behauptet, dass für die Haltung von Dscheladas Einmännchen-/ Vielweibchengruppen erforderlich seien und daher heranwachsende Männchen rechtzeitig aus der Gruppe entfernt werden müssten. Tatsächlich ist bei Dscheladas die Grundeinheit ein Harem, wobei im Freiland aber mehrere Harems- und Junggesellengruppen eine Herde bilden. Die Haltung von Gruppen mit mehreren erwachsenen Tieren beider Geschlechter ist möglich und wird erfolgreich praktiziert.

Quellen:

  • KREBS, E. (2008) Primatenhaltung im Zoo, Filander Verlag GmbH, Erlangen. ISBN 978-3-930831-69-2.
  • SPIVAK, H. (1968) Ausdrucksformen und soziale Beziehungen in einer Dschelada-Gruppe (Theropithecus gelada) im Zoo. Phil. II-Dissertation, Universität Zürich

21.01.2015


Gelesen 928 mal Letzte Änderung am Freitag, 06 März 2015 17:08

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