Montag, 09 Februar 2015 15:57

(14.07) Krallenaffen

Rotbauchtamarin

Saguinus labiatus

Art-Datenblatt


Rothandtamarin

Saguinus midas

Tierart-Datenblatt

Das Säugetiergutachten 2014 des BMEL fordert für alle Tamarine ein Innen- und ein Außengehege von je 10 m² Grundfläche und 2.5 m Höhe für jeweils ein Paar mit bis zu zwei Nachzuchten. Für jedes weitere Tier ist bei gleicher Gehegehöhe die Grundfläche um 1,5 m² zu erhöhen, wobei die resultierende Kubatur fälschlicherweise mit 4.5 m³ anstatt mit 3.75 m³ angegeben wurde, was offenbar niemand bemerkt hat. Leider sah sich der Leiter der Unterarbeitsgruppe, die das Primatenkapitel verfasst hatte, auch außerstande, die Frage zu beantworten, ob es sich bei den „bis zu zwei Nachzuchten“ um zwei Jungtiere oder um zwei Würfe von in der Regel Zwillingen handelt.

Die Anforderung des Gutachtens ist weder durch konkrete wissenschaftliche Daten noch durch Tierhaltererfahrung erhärtet. Die Richtlinie 2010/63/EU erlaubt auch in Deutschland die Zucht und dauernde Haltung einer Familiengruppe von Tamarinen (Jungtiere bis 5 Monate) in einem Käfig mit einer Grundfläche von 1.5 m² und einem Volumen von 2.25 m³, sofern die Tiere für Tierversuche bestimmt sind.

Die Tierschutzsachverständigen der Zoos vertraten daher im Differenzprotokoll den Standpunkt, dass aufgrund von Tierhaltererfahrung und mangels festgestellter Probleme die Anforderungen des Gutachtens’96 beibehalten werden sollten, d. h. ein Innen- und gegebenenfalls ein Außengehege (es ist zu beachten. dass in vielen Fällen die Voraussetzungen nach Ziffer II.1.9 dieses Gutachtens erfüllt sein dürften, sodass auf ein Außengehege verzichtet werden kann) von je 5 m² Grundfläche und 2.0 m Höhe für jeweils eine funktionierende Familiengruppe, d.h. Eltern und so viele Nachkommen, wie von diesen toleriert werden.

Nach den "Best practice"-Leitlinien der EAZA soll Tamarinen tagsüber ein Gesamtvolumen von 22.5 m³ zur Verfügung stehen, wobei das Innengehege 3 m² / 7.5 m³ messen und unterteilbar sein soll (CARROLL et al., 2002).

Das Säugetiergutachten 2014 des BMEL gibt ferner als Futtergrundlage „vielseitiges Obst und Gemüse“ an, Da der Zuckergehalt der auf dem Markt erhältlichen Obstsorten generell sehr hoch ist, sind die Zoos dazu übergegangen, den Obstanteil zu Gunsten des Gemüses zu reduzieren und auf das Verfüttern von Tomaten, Paprika, Zitrusfrüchten, Ananas, Kiwis und Trauben vielfach ganz zu verzichten.

Quellen:

  • CARROLL, B. (ed., 2002) EAZA-Haltungsrichtlinien für Krallenaffen. Deutscher Übersetzung von Eva Zimmermann et al. EAZA Amsterdam. Deutsche Fassung produziert von Berufsverband der Zootierpfleger, Redaktion "Arbeitsplatz Zoo", Dresden. 103 Seiten.
  • RICHTLINIE 2010/63/EU DES EUROPÄISCHEN PARLAMENTS UND DES RATES vom 22. September 2010 zum Schutz der für wissenschaftliche Zwecke verwendeten Tiere- ABl. L 276/33 vom 20.10.2010
  • Tierhaltererfahrung in VdZ-Zoos

01.03.2015


Lisztäffchen

Saguinus oedipus

Art-Datenblatt

Das Säugetiergutachten 2014 empfiehlt die Gemeinschaftshaltung verschiedener Krallenaffenarten. Diese Empfehlung ist in ihrer generellen Form problematisch. Saguinus-Arten scheinen bedeutend territorialer und aggressiver zu sein als andere Krallenaffen, was zu vielen missglückten Vergesellschaftungen geführt hat. Versuche mit Lisztaffen waren besonders erfolglos und können daher nicht empfohlen werden. Lisztaffen können auch gegenüber größeren Primaten, anderen Säuegtieren und sogar Reptilien sehr intolerant sein (ZIEGLER et al. 2002a).

Anmerkungen betreffend Gehegegröße und Fütterung siehe unter Rotbauchtamarin (Saguinus labiatus).

Quellen:

  • CARROLL, B. (ed., 2002) EAZA-Haltungsrichtlinien für Krallenaffen. Deutscher Übersetzung von Eva Zimmermann et al. EAZA Amsterdam. Deutsche Fassung produziert von Berufsverband der Zootierpfleger, Redaktion "Arbeitsplatz Zoo", Dresden. 103 Seiten.
  • ZIEGLER, T. (2002a) Selected mixed-species exhibits of primates in German zoological gardens. Primate Report 64, Selected mixed-species exhibits in zoological gardens: 7-71. Hrsg. Ziegler, T., Deutsches Primatenzentrum GmbH, Göttingen.
  • Tierhaltererfahrung in VdZ-Zoos

01.03.2015



Zweifarbtamarin

Saguinus bicolor bicolor

Das Säugetiergutachten 2014 des BMEL fordert für alle Tamarine ein Innen- und ein Außengehege von je 10 m² Grundfläche und 2.5 m Höhe für jeweils ein Paar mit bis zu zwei Nachzuchten. Für jedes weitere Tier ist bei gleicher Gehegehöhe die Grundfläche um 1,5 m2 zu erhöhen. Diese Anforderungen sind weder durch konkrete wissenschaftliche Daten noch durch Tierhaltererfahrung erhärtet. Dagegen wird die Position der Tierschutzsachverständigen der Zoos, wonach die bisherigen Raummaße von 5 m²/10 m³ beibehalten werden sollten, durch die auf den Erfahrungen des Jersey Wildlife Trust beruhenden „Best practice“-Leitlinien der EAZA gestützt.

In Jersey bestanden die Innenquartiere der Tamarine ursprünglich aus zwei einander gegenüberliegenden Reihen, mit sehr kleinen Käfigeinheiten. Dies hatte zu Problemen geführt, einerseits weil sich Tiere bei Streitereien innerhalb der Gruppe nicht ausweichen konnten, andererseits weil sich die einzelnen  Gruppen gegenseitig störten. Nach einem Umbau haben die Tiere nun kein Gegenüber mehr die Gehegedimensionen wurden auf 3.45 m² / 7.74 m³ erhöht und es wurden Rückzugsmöglichkeiten geschaffen. Dies erlaubte im Extremfall die Haltung von bis zu 11 Tiere in einer Gruppe.

Einzeltiere oder Kleingruppen bis 3 Individuen können in kleineren Einheiten von rund 1-1.5 m² und Volumina bis etwa 3 m³ abgetrennt werden. Unter der Prämisse, dass das Gebäude nicht für störende Besucher zugänglich ist, wird die Haltung als befriedigend angesehen. Die Tier verfügen über Außengehege, unterschiedlicher Größe, welche die Mindestanforderungen deutlich übertreffen.

Das Säugetiergutachten 2014 empfiehlt die Gemeinschaftshaltung verschiedener Krallenaffenarten. In Jersey konnten einzelne Zweifarbtamarine oder jeweils zwei Tiere des gleichen Geschlechts erfolgreich mit Löwenäffchen, Silberäffchen und Springtamarinen vergesellschaftet werden. Mit Zuchtgruppen (die während der Jungenaufzucht sehr aggressiv sein können) bestehen dagegen keine Erfahrungen (WORMELL, 2000).

Quelle:
WORMELL, D. (2000) Management guidelines for pied tamarins Saguinus b. bicolor (EAZA Husbandry Guidelines) 22.Seiten. Durrell Wildlife Conservation Trust.

08.03.2015


 

Weißbüscheläffchen

Callithrix jacchus

Art-Datenblatt

Das Säugetiergutachten 2014 des BMEL fordert für alle Marmosetten mit Ausnahme des Zwergseidenäffchens ein Innen- und ein Außengehege von je 10 m² Grundfläche und 2.5 m Höhe für jeweils ein Paar mit bis zu zwei Nachzuchten. Für jedes weitere Tier ist bei gleicher Gehegehöhe die Grundfläche um 1,5 m² zu erhöhen, wobei die resultierende Kubatur fälschlicherweise mit 4.5 m³ anstatt mit 3.75 m³ angegeben wurde, was offenbar niemand bemerkt hat. Leider sah sich der Leiter der Unterarbeitsgruppe, die das Primatenkapitel verfasst hatte, auch außerstande, die Frage zu beantworten, ob es sich bei den „bis zu zwei Nachzuchten“ um zwei Jungtiere oder um zwei Würfe von in der Regel Zwillingen handelt. Die Anforderung ist zudem weder durch konkrete wissenschaftliche Daten noch durch Tierhaltererfahrung erhärtet. Die Richtlinie 2010/63/EU erlaubt auch in Deutschland die Zucht und dauernde Haltung einer Familiengruppe von Marmosetten (Jungtiere bis 5 Monate) in einem Käfig mit einer Grundfläche von 0.5 m² und einem Volumen von 0.75 m³.

Die Tierschutzsachverständigen der Zoos vertraten daher im Differenzprotokoll den Standpunkt, dass aufgrund von Tierhaltererfahrung und mangels festgestellter Probleme die Anforderungen des Gutachtens’96 beibehalten werden sollten, d. h. ein Innen- und gegebenenfalls ein Außengehege (es ist zu beachten. dass in vielen Fällen die Voraussetzungen nach Ziffer II.1.9 dieses Gutachtens erfüllt sein dürften, sodass auf ein Außengehege verzichtet werden kann) von je 5 m² Grundfläche und 2.0 m Höhe für jeweils eine funktionierende Familiengruppe, d.h. Eltern und so viele Nachkommen, wie von diesen toleriert werden.

Nach den "Best practice"-Leitlinien der EAZA soll auch Marmosetten tagsüber ein Gesamtvolumen von 22.5 m³ zur Verfügung stehen, wobei das Innengehege 3 m² / 7.5 m³ messen und unterteilbar sein soll (CARROLL et al., 2002).

Quellen:

  • CARROLL, B. (ed., 2002) EAZA-Haltungsrichtlinien für Krallenaffen. Deutscher Übersetzung von Eva Zimmermann et al. EAZA Amsterdam. Deutsche Fassung produziert von Berufsverband der Zootierpfleger, Redaktion "Arbeitsplatz Zoo", Dresden. 103 Seiten.
  • RICHTLINIE 2010/63/EU DES EUROPÄISCHEN PARLAMENTS UND DES RATES vom 22. September 2010 zum Schutz der für wissenschaftliche Zwecke verwendeten Tiere- ABl. L 276/33 vom 20.10.2010
  • Tierhaltererfahrung in VdZ-Zoos

07.03.2015


 

Zwergseidenäffchen

Callithrix (Cebuella) pygmaea

Art-Datenblatt

Das Säugetiergutachten 2014 des BMEL fordert für Zwergseidenäffchens ein Innen- und ein Außengehege von je 6 m² Grundfläche und 2.0 m Höhe für jeweils ein Paar mit bis zu zwei Nachzuchten. Für jedes weitere Tier ist bei gleicher Gehegehöhe die Grundfläche um 1.0 m² zu erhöhen, wobei die resultierende Kubatur fälschlicherweise mit 3.0 m³ anstatt mit 2.0 m³ angegeben wurde, was offenbar niemand bemerkt hat. Leider sah sich der Leiter der Unterarbeitsgruppe, die das Primatenkapitel verfasst hatte, auch außerstande, die Frage zu beantworten, ob es sich bei den „bis zu zwei Nachzuchten“ um zwei Jungtiere oder um zwei Würfe von in der Regel Zwillingen handelt. Die Anforderung ist zudem weder durch konkrete wissenschaftliche Daten noch durch Tierhaltererfahrung erhärtet. Die Richtlinie 2010/63/EU erlaubt auch in Deutschland die Zucht und dauernde Haltung einer Familiengruppe von Marmosetten aller Art (Jungtiere bis 5 Monate) in einem Käfig mit einer Grundfläche von 0.5 m² und einem Volumen von 0.75 m³.

Die Tierschutzsachverständigen der Zoos vertraten daher im Differenzprotokoll den Standpunkt, dass aufgrund von Tierhaltererfahrung und mangels festgestellter Probleme die Anforderungen des Gutachtens’96 beibehalten werden sollten, d. h. ein Innen- und gegebenenfalls ein Außengehege (es ist zu beachten. dass in vielen Fällen die Voraussetzungen nach Ziffer II.1.9 dieses Gutachtens erfüllt sein dürften, sodass auf ein Außengehege verzichtet werden kann) von je 4 m² Grundfläche und 2.0 m Höhe für jeweils eine funktionierende Familiengruppe, d.h. Eltern und so viele Nachkommen, wie von diesen toleriert werden.

Nach den "Best practice"-Leitlinien der EAZA soll Marmosetten tagsüber ein Gesamtvolumen von 22.5 m³ zur Verfügung stehen, wobei das Innengehege 3 m² / 7.5 m³ messen und unterteilbar sein soll (CARROLL et al., 2002). Für Zwergseidenäffchen seien wegen ihrer geringeren Körpergröße auch etwas kleinere Ausmaße möglich.

Quellen:

  • CARROLL, B. (ed., 2002) EAZA-Haltungsrichtlinien für Krallenaffen. Deutscher Übersetzung von Eva Zimmermann et al. EAZA Amsterdam. Deutsche Fassung produziert von Berufsverband der Zootierpfleger, Redaktion "Arbeitsplatz Zoo", Dresden. 103 Seiten.
  • RICHTLINIE 2010/63/EU DES EUROPÄISCHEN PARLAMENTS UND DES RATES vom 22. September 2010 zum Schutz der für wissenschaftliche Zwecke verwendeten Tiere- ABl. L 276/33 vom 20.10.2010
  • Tierhaltererfahrung in VdZ-Zoos

07.03.2015


Gelesen 2008 mal Letzte Änderung am Donnerstag, 12 März 2015 16:27

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