Donnerstag, 31 Mai 2012 09:58

Die Situation in der Schweiz

Das erste Tierschutzgesetz der Schweiz (TschG, SR 455) datiert vom 9. März 1978. Tierschutzorganisationen, denen das Gesetz zu wenig weit ging, ergriffen das Referendum, und sammelten 89'664 Unterschriften dagegen. Nachdem das Gesetz in einer Volksabstimmung mit 81 % Ja- gegen 19 % Neinstimmen angenommen worden war, trat es zusammen mit der Tierschutzverordnung (TSchV, SR 455.1) vom 27. Mai 1981 am 1. Juli 1981 in Kraft.

Download Altes Tierschutzgesetz, Stand am 13. Juni 2006

Artikel 6 des Gesetzes unterstellte den Betrieb von Zoologischen Gärten und ähnlichen Einrichtungen einer Genehmigungspflicht durch die Kantone, ebenso das private Halten von Wildtieren, wenn diese besondere Ansprüche an Haltung und Pflege stellen. Eine entsprechende Liste war vom Bundesrat (Kabinett) nach Anhören der Kantone zu bestimmen. Die Liste beinhaltete folgende Taxa:

a. Säugetiere, ausgenommen Lamas, Alpakas und deren Kreuzungen, sowie Insektenfresser und Kleinnager;

b.Straussenvögel, Kiwis, Pinguine, Pelikane, Kormorane, Schlangenhalsvögel, Stelzvögel, Flamingos, Taggreife, Kraniche, Sumpf- und Strandvögel, grosse Aras und Kakadus, Nachtgreife, Nachtschwalben, Kolibris, Trogons, grosse Nashornvögel, Nektarvögel, Paradiesvögel;

c. Riesen- und Sporenschildkröten, Meeresschildkröten, Krokodile, grosse Leguane, Chamaeleo calyptratus, Grosstejus, Brückenechsen, Warane, die erwachsen eine Gesamtlänge von mehr als 1 m erreichen, Varanus mitchelli, Varanus semiremex, Krustenechsen, Giftschlangen, Riesenschlangen, die erwachsen mehr als 3 m lang werden, ausgenommen Boa constrictor;

d. Riesensalamander;

e. Fische, die in Freiheit mehr als 1 m lang werden, ausgenommen einheimische Arten nach der Fischereigesetzgebung.

Artikel 3 des Gesetzes verpflichtete den Bundesrat nach Anhören der interessierten Kreise Vorschriften über das Halten von Tieren, namentlich über Mindestabmessungen, Beschaffenheit, Belichtung und Belüftung der Unterkünfte, Belegungsdichte bei Gruppenhaltung sowie Anbindevorrichtungen zu erlassen.

Die Mindestanforderungen an das Halten von Wildtieren wurden in der Folge in Anhang 2 zur Verordnung festgelegt. Unter Berücksichtigung neuer Erkenntnisse, namentlich der Erfahrungen aus dem Vollzug wurde dieser Anhang periodisch revidiert, die letzte Veröffentlichung erfolgte 2003.

Download Anhang 2 alt

Am 16. Dezember 2005 beschloss die Bundesversammlung ein neues Tierschutzgesetz.

Download Neues Tierschutzgesetz

Die bisher in Artikel 3 festgehaltene Verpflichtung, Mindestanforderungen an das Halten von Wildtieren zu erlassen, wurde wie folgt präzisiert:

Nach Anhören der interessierten Kreise erlässt der Bundesrat unter Berücksichtigung der wissenschaftlichen Erkenntnisse und nach dem Stand der Erfahrung und der technischen Entwicklung Vorschriften über das Halten von Tieren, namentlich Mindestanforderungen. Er verbietet Haltungsarten, die den Grundsätzen des Tierschutzes widersprechen.

Artikel 7 Abs. 3 – entspricht dem früheren Artikel 6 – lautet nun wie folgt:

Das gewerbsmässige und private Halten von Wildtieren, die besondere Ansprüche an Haltung und Pflege stellen, bedarf einer Bewilligung.

Leider wurden für den Entwurf des Wildtieranhangs, der in die Vernehmlassung (Anhörung) geschickt wurde, keine praktischen Tierhalter beigezogen, sondern – in den meisten Fällen - einfach ein Mehrfaches der bisherigen Mindestanforderungen eingesetzt. Wo es in der Folge Widerstand gab, krebste man zurück, das Ergebnis ist z.B., dass für einen Luchs oder einen Nebelparder weniger Platz angeboten werden muss, als für eine Wildkatze oder ein Jaguarundi.

Auch die Änderungen in Liste der genehmigungspflichtigen Arten sind recht merkwürdig:

Das private Halten folgender Wildtiere ist bewilligungspflichtig:

a. Säugetiere, ausgenommen einheimische Insektenfresser und Kleinnager;

b. alle Beutelsäuger;

c. Schnabeltier, Schnabeligel; Gürteltiere; Ameisenbären; Stachelschweine; Faultiere, Schuppentiere;

d. Schuhschnabel, Kiwis, Laufvögel, Pinguine, Pelikane, Kormorane, Schlangenhalsvögel, Stelzvögel, Flamingos, Kraniche, Sumpf- und Strandvögel; Grosspapageien (Aras und Kakadus); alle Greife, Sekretär; Nachtschwalben, Seeschwalben; Kolibris, Trogons, Nashornvögel, Nektarvögel, Paradiesvögel; Tropikvögel; Seetaucher, Lappentaucher, Alken, Tölpel, Fregattvögel; Grosstrappen; Segler;

e. Fische, die in Freiheit mehr als 1 m lang werden, ausgenommen einheimische Arten nach der Fischereigesetzgebung; Haie und Rochen; f. Meeresschildkröten, Riesenschildkröten, Alligatorschildkröten, Schlangenhalsschildkröten, Pelomedusenschildkröte; alle Krokodilartigen (Crocodilia); grosse Leguane, Fidji-Leguan, Drusenköpfe, alle Chamäleons, alle Tejus, Warane, die erwachsen eine Gesamtlänge von mehr als 1 m erreichen, Varanus mitchelli, Varanus semiremex; Brückenechsen, Meerechsen, Krustenechsen, Giftschlangen, Riesenschlangen, die erwachsen mehr als 3 m lang werden, ausgenommen Boa constrictor; Seeschlangen;

g. Goliathfrosch; Riesensalamander;

Die neue Verordnung enthält u.a. auch weitergehende Vorschriften bezüglich Sachkundenachweis und der Liste der Tierarten, bei denen eine Haltegenehmigung nur erteilt werden darf, wenn das Gutachten einer unabhängigen und anerkannten Fachperson nachweist, dass die vorgesehenen Gehege und Einrichtungen eine tiergerechte Haltung ermöglichen.

Download Neue Tierschutzverordnung





Gelesen 4443 mal Letzte Änderung am Mittwoch, 28 August 2013 15:15

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